Folgt auf Stagnation eine Rezession, auf die vorübergehende Euro-Ruhe der nächste Euro-Sturm? Die deutsche Industrie hat einen miserablen Start ins dritte Quartal hingelegt. Die Auftragseingänge des Verarbeitenden Gewerbes brachen im Juni mit Minus 3,2 Prozent gegenüber dem Vormonat so stark ein wie seit fast drei Jahren nicht mehr.
Dafür gibt es drei wichtige Gründe, die jeweils nichts Gutes für die kommenden Monate ahnen lassen. Erstens, aus der schwachen Euro-Zone kamen 10,4 Prozent weniger Bestellungen. Und das ist kein Wunder:
Italien rutscht in die dritte Rezession seit der Finanzkrise. Frankreich dümpelt. Und in Portugal hat es mit Espirito Santo nach längerer Pause wieder einen Banken-Bail-out gegeben.
Die Chancen, dass sich das in den kommenden Monaten bessert, sind äußerst gering, zumal rund um den Globus Spannungen herrschen und der Ukraine-Konflikt jederzeit eskalieren kann. Damit sind wir beim zweiten Punkt: Russlands Präsident Wladimir Putin hat die jüngsten Sanktionen des Westens jetzt beantwortet.
Die Bremsspuren in der deutschen – und der gesamten europäischen – Wirtschaft dürften länger werden. Die Auswirkungen der jüngsten Sanktionen-Runde sind in diesen deprimierenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes (in der GRAFIK indexiert) aber noch gar nicht enthalten.
Drittens, die Aufträge für Investitionsgüter plumpsten im Juni 6,4 Prozent in die Tiefe. Dahinter steckt eine Investitions-Verweigerung bei wichtigen Kunden der deutschen Industrie. Warum werden dort Käufe von Maschinen und anderen Anlagen gestreckt oder gestrichen?
Weil allerorten lähmende Unsicherheit herrscht: Vor Krieg in Europa, vor steigenden Zinsen, vor einer Rückkehr der Inflation, vor dem Auslaufen der Geldflut in den USA und vor einem Finanz-GAU in China.
Selbst wenn keines dieser drohenden Desaster eintreffen würde: Allein die Angst vor deren Eintreten reicht aus, um Konsumenten und Firmen zum Abwarten zu bewegen und die Konjunktur zu lähmen. Schockstarre nennt man das andernorts.
Und wer zweimal überlegt, ob er Jobs schafft oder Einkaufen geht, bremst die Konjunktur zusätzlich aus. Es scheint, dass nach langem Durchhalten der deutsche Konjunktur-Anker in der maroden Euro-Zone seinen Halt verliert. − Die Dominos in Rom, Madrid und Lissabon schwanken schon.
Die Rutschpartie des Euro um 4 Prozent seit Anfang Mai ist ein gutes Barometer für die Nervosität und Angst, die überall zu spüren ist.
.
Copyright © 2014 Das Copyright dieser Seite liegt, wenn nicht anders vermerkt, beim Kopp Verlag, Rottenburg
Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.