Wie ausgehöhlt die Supermacht USA nach Jahrzehnten von Kriegen, exportierter Industrie und eskalierender Schulden ist, das zeigt eine simple kybernetische Betrachtung. Das ganze Land ist ein einziges Pumpwerk, das sich nur noch künstlich selbst am Leben erhält.
Der liquide Kapitalmarkt in New York und das Privileg, die Leitwährung der Welt zu drucken, pumpen aus dem Rest der Welt Ersparnisse nach Amerika, mit denen die 315 Millionen US-Bürger über ihre Verhältnisse leben können. Die US-Notenbank (Fed) pumpt derweil den Kreislauf mit zusätzlichen Dollar so voll, dass ihre Bilanz auf vier Billionen Dollar angestiegen ist. Das ist mehr als die gesamte Wirtschaftsleistung Deutschlands in einem Jahr. Die erreichte 2013 etwas über 3,6 Billionen Dollar.
Und seit ein paar Jahren pressen Tausende von US-Firmen im Fracking-Verfahren mit Wasser, Sand und giftigen Chemikalien unkonventionell das letzte Öl aus dem schwierigen Schiefergestein im Land. Dieser Fracking-Boom hat Bundesstaaten wie North Dakota, Texas und Pennsylvania zu brummenden Zentren im zerfallenden US-Empire gemacht. Die USA haben zu Beginn des Jahres bei der Öl-Produktion Russland und Saudi Arabien überholt und können – bis das Jahr zu Ende ist – die neue Öl-Supermacht sein.
Auf den Außenhandel des Landes hat das einen immensen Effekt. Die Öl-Einfuhren sanken im Juni auf den niedrigsten Stand in dreieinhalb Jahren. Das Defizit im Ölhandel ist im ersten Halbjahr um 16 Prozent gefallen. Das gesamte Handelsdefizit der USA erreichte dank der sinkenden Energie-Importe ein Fünfmonats-Tief.
Das Geld, das die Amerikaner dank sinkender Öl-Importe sparen, zirkuliert stattdessen im Land und hilft der Wirtschaft, schneller zu wachsen. Das Handelsdefizit, das noch nicht eliminiert wurde, zieht vom Bruttoinlandsprodukt laut der Regierung 0,6 Prozentpunkte ab. Würden die USA schon Öl und verflüssigtes Erdgas exportieren, wie die Industrie dort fordert, dann wäre die US-Wirtschaft im zweiten Quartal vielleicht nicht 4 Prozent gewachsen, wie gemeldet, sie hätte vom Fracking getrieben 4,6 Prozent wachsen können. Das wären schon zwei Drittel des Tempos, das China hinlegt.
Doch solche Zahlenspiele sind nur etwas für die Propaganda-Abteilung von Barack Obama. Alles weist darauf hin, dass auch die Wachstumszahl für das zweite Quartal nach unten korrigiert werden muss, wie schon im Vorquartal. Und beim Fracking-Boom handelt es sich – wie bei der biblischen Geldflut, die die Fed angezettelt hat – um einen Adrenalin-Rausch, dem unweigerlich ein Kater folgen wird. Der Investitionsaufwand, um die unkonventionelle Ölförderung aufrechtzuerhalten, wird jeden Monat größer.
Das lässt sich nicht mehr lange durchhalten. Denn die Erträge der Schieferquellen sinken drastisch. Die ersten Firmen verabschieden sich aus dem Potemkin-Boom. Und dann? Die Fed rudert derzeit schon zurück und drosselt scharf ihre Anleihekäufe, mit denen sie die Zinsen drückt und dem reichen Teil Amerikas höhere Immobilien- und Wertpapierpreise beschert.
Danach muss sich das Land wieder mehr auf seine Industrie verlassen, wenn es Menschen beschäftigen und seinen Wohlstand verteidigen will. Doch immer mehr Firmen wandern ab, oder parken ihre Gewinne im Ausland. Die Kostenvorteile der USA aus dem Fracking werden sich zudem bald in Luft auflösen. Und stagnierende Löhne in der sozial gespaltenen Gesellschaft lähmen den Konsum. Wenn erst einmal die Zinsen wieder steigen, weicht die Luft in dem aufgepumpten Heißluftballon USA. Und dann wird schnell Flughöhe abgebaut.
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