In Donezk und Luhansk droht eine humanitäre Katastrophe. Von Jürgen Elsässer, Chefredakteur COMPACT-Magazin
Seit gestern ist die Millionenmetropole Donezk von den Putschtruppen abgeschnürt. Seit heute früh berichtet selbst der Spiegel von ununterbrochenem Artilleriefeuer der Belagerer. Die zweite Großstadt des Donbass, Lugansk, ist schon länger von der Außenwelt abgeschnitten: ohne Wasser, ohne Strom, ohne Lebensmittel.
Die Menschen fliehen. Interessant ist, wohin sie fliehen: Nicht nach Westen, in die Gebiete der von der NATO unterstützten Putschregierung, sondern nach Osten, nach Russland. 700.000 sollen es bereits sein! In ähnlichen Fällen – Syrien z.B. – sprach der Westen von einer humanitären Katastrophe. Hier hält man diese Bezeichnung für einen Propagandatrick Moskaus. Widerwärtig, diese Pressenutten!
Der Blutzoll der NATO-Faschisten ist immens und übertrifft den des Gaza-Krieges. Aber es wird viel weniger darüber berichtet! „Mehr als zehntausend Menschen starben im Verlaufe der Kiewer Strafaktion im Südosten der Ukraine seit April (…). Die ukrainische Parlamentariergruppe Für Frieden und Stabilität sagte (…), diese Zahlen gingen auf die Zählung von Freiwilligengruppen zurück, die im Osten des Landes arbeiteten. (…) Nach unseren Schätzungen wurden allein in den ersten beiden Juli-Wochen 2.500 ukrainische Soldaten getötet. (…) Tausende von Zivilisten fielen der Militäraktion zum Opfer.“ (Angaben laut dem ukrainischen Parlamentsabgeordneten Sergey Gorokhov, Fernsehsender RT.com, 8.8.2014)
Die Heimatschutzverbände der Volksrepublik Donezk kämpfen tapfer. Man bedenke: Sie haben bereits 13 Kampfflugzeuge der Putschregierung abgeschossen. Aber die Übermacht ist zu groß: Unaufhörlich wird weiter bombardiert. Schokoladenkönig Poroschenko, diese Marionette Washingtons, vernichtet das eigene Volk – und die ganze Welt schaut zu!
Vor diesem Hintergrund wächst der Druck auf Putin und – ich bin sicher – auch in Putin, in seinem Herzen, in das Geschehen einzugreifen und die von Vertreibung oder Vernichtung bedrohten Brüder und Schwestern im Osten der Ukraine zu retten. Andererseits weiß er genau so gut: Eben das ist das Kalkül der USA – ihn durch Massaker in Zugzwang zu bringen, auf dass er seine ausgewogene Zurückhaltung aufgibt und sich in den blutigen Sumpf an Russlands Südwestflanke hineinziehen lässt. Was er auch immer tun wird, hat ein hohes Risiko.
Derweil sterben die Menschen weiter. Und unabhängig von der Frage, wie man Putin letztlich beurteilt: Schuld am Schlachten ist nicht er, sondern die NATO-Faschisten in Kiew und Washington – und ihre kleinen dummen Komplizen in Berlin. Schande über Euch!
Mein Gruß geht an Margarita Seidel, die deutsche Kämpferin beim Generalstab in Donezk. (Ein ausführliches Portrait von ihr ist in der aktuellen COMPACT 8/2014) Gott schütze Dich und die Deinen!
Druschba i mir!