http://www.contra-magazin.com/2014/11/usa-wie-lange-noch-bis-zum-finanzkollaps/
Nimmt man die offiziellen – ohnehin beschönigten – Zahlen her, gibt es nur noch wenige Zweifel daran, dass sich das US-Finanzsystem in eine äußerst ungünstige Richtung entwickelt, welche schon jetzt in Sachen Finanzstabilität gefährliche Ausmaße erreicht hat. Die realwirtschaftlichen Daten zeigen ebenfalls, wie ungünstig die Entwicklung ist.
Von Marco Maier
Wenn die Realwirtschaft zusammenbricht, trifft dies auch die Finanzindustrie. Das Selbe trifft auch auf den umgekehrten Fall zu. Was wir jedoch derzeit in den USA erleben, ist eine höchst gefährliche Mischung, die derzeit nur noch durch den Kitt der Angst zusammengehalten wird. Selbst China, welches angesichts der massiven Handelsüberschüsse mit den USA Unmengen an Dollars hält, kann sich nicht einfach so gegen die USA stellen ohne eine veritable Finanzkrise im eigenen Land auszulösen. In den Vereinigten Staaten selbst wird die gefährliche Entwicklung derzeit noch schöngeredet.
Betrachtet man einmal die grundlegenden Daten zum US-Bundeshaushalt, wird schnell klar, dass die Entwicklungen seit dem Jahr 2000 höchst bedenklich sind. So wuchs das offizielle (also deutlich schöngerechnete) Bruttoinlandsprodukt seitdem um ganze 76 Prozent. Gleichzeitig verzeichnet der US-Bundeshaushalt Mehreinnahmen von lediglich 52 Prozent, während die Ausgaben um satte 98 Prozent stiegen. Ergo: die Ausgaben wuchsen um etwa ein Drittel stärker, die Einnahmen um ein Drittel schwächer als die Wirtschaftsleistung des Landes. Dies führte dazu, dass auch die Verschuldung des Staates geradezu explodierte. Heute beträgt sie 17,931 Billionenn Dollar.
Hinzu kommen die Verpflichtungen aus dem US-Sozialsystem in Höhe von derzeit 115,539 Billionen Dollar. Diese fließen in die sogenannte „implizite Staatsverschuldung“ ein. Man bezeichnet dies auch als „Nachhaltigkeitslücke in der Generationenbilanz“. Alleine die öffentlichen Kassen sind demnach eigentlich mit 133,47 Billionen Dollar verschuldet. Nimmt man die US-Pensionsfonds dazu, die ebenfalls massive Deckungsprobleme haben, kommen noch einige Milliarden Dollar hinzu. Pro US-Bürger kommt so ein Schulden-Rucksack von etwa 420.000 Dollar zusammen, den die öffentlichen Kassen verursacht haben. Pro Steuerzahler sind das sogar 1.150.000 Dollar. Da wirken die rund 52.000 Dollar an privaten Schulden pro Kopf gerade noch harmlos.
Doch die öffentlichen Finanzen sind nicht das einzige Problem der US-Volkswirtschaft. Die geradezu explodierende Geldmenge konnte zwar dafür sorgen, dass ein Totalcrash bislang ausblieb, doch damit wurde die gesamte Finanzblase nur noch weiter aufgeblasen. Mit ensprechenden Konsequenzen im Falle eines Platzens. Zum Vergleich: die gesamte Geldbasis der USA hat sich seit dem Jahr 2000 von knapp 600 Milliarden auf nunmehr über 4,1 Billionen Dollar geradezu versiebenfacht. Die Geldmenge M2 wuchs in der selben Zeit von 4,9 auf mehr als 11,5 Billionen Dollar (+134 Prozent). Die Währungs- und Kreditderivate wuchsen gar von 93,3 auf 691,1 Billionen Dollar (+641 Prozent) an! Mit ein Grund, warum die G20-Staaten inzwischen vor den Schattenbanken warnen, die insbesondere an den US-Kapitalmärkten aktiv sind.
Für die US-Bevölkerung selbst haben sich in den letzten 14 Jahren die Lebensumstände deutlich verschlechtert. Nimmt man das Medianeinkommen her, verdienen die Amerikaner heute weniger als noch im Jahr 2000. Liegt dieses heute nämlich bei 28.520 Dollar im Jahr, so sind das (unter Berücksichtigung der beschönigten Inflationsrate) um 0,7 Prozent darunter. Nimmt man die wirkliche Inflation als Basis, sank die Kaufkraft der mittleren Einkommen jedoch mindestens um 10 Prozent. Indessen beziehen derzeit 46,28 Millionen Menschen (14,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) Lebensmittelmarken des US-Landwirtschaftsministeriums.
Hinzu kommt eine deutliche Abnahme der Erwerbsbevölkerung trotz des starken Bevölkerungszuwachses. Belief sich die Erwerbsbevölkerung im Jahr 2000 noch auf 154,17 Millionen Menschen, so sind heute gerade einmal noch 147,43 Millionen Menschen erwerbstätig. Ein Minus von 4,4 Prozent. Im selben Zeitraum wuchs die Gesamtbevölkerung von 281,42 auf 319,26 Millionen Menschen. Ein Plus von 13,4 Prozent. Der Anteil der Erwerbstätigen sank damit von 54,8 auf 46,2 Prozent. Wer nun glaubt, dass die Arbeitslosigkeit seitdem nur von 4,0 auf 5,9 Prozent gestiegen ist, hält auch die offiziellen BIP- und Inflationszahlen für wahr.
Betrachtet man sich dieses Gesamtbild einmal genauer, fällt es nicht schwer, entsprechende Rückschlüsse zu ziehen. Dennoch übt sich die transatlantisch orientierte Presse in Optimismus, indem die tatsächlichen systemischen Risiken einfach ignoriert werden. Angesichts der Erkenntnisse der „Experten“ wird den Vereinigten Staaten für die nächsten 5 Jahre eine Pleitewahrscheinlichkeit von 1,4, für die nächsten 10 Jahre von 6,3 Prozent eingeräumt. Dabei vertrauen sie wohl zu sehr auf den Selbsterhaltungstrieb des Systems, zumal selbst minimale Erschütterungen an den Kapitalmärkten angesichts der engen Verkettung der Beteiligten zu einem gewaltigen finanziellen Erdbeben führen können. Vielleicht sind Wahrscheinlichkeiten von 25 und 50 Prozent doch realistischer.
Buchtipp: USA – Eine Supermacht zerfällt