Herr Wulf war und Frau Merkel scheinen sich einig. Ihrer Ansicht nach basiert Deutschland auf einem christlich-jüdischen Wertesystem zu dem jetzt auch der Islam gehört.
Das ist politischer Populismus, der sich an dem Weltbild einer links-liberalen Werteordnung orientiert. Es ist ein politisch gewünschter Soll-Zustand, der, auch ohne ihn als gut oder schlecht werten zu wollen, in Widerspruch zu den historischen Fakten steht.
Das in Deutschland tragende und gültige, gesellschaftliche Wertesystem ist ein christlich aufklärerisches. Es ist gewachsen aus dem Christentum, welches die grundsätzlichen Werte implantierte und wurde geschliffen von der Aufklärung, die eine christliche Wertehoheit, durch eine humanistische wissenschaftliche ersetzte.
Es gibt eine, insbesondere in der jüngsten Vergangenheit, bestehende islamische Einflussnahme, aber keine islamische Prägung, weder ethischer noch rechtlicher Natur. Auch eine viel beschworene, maßgebliche jüdische Prägung, ist nicht historisch begründet, sondern mehr ein Zugeständnis der moralischen Wiedergutmachung, gegenüber den Opfern des nationalsozialistischen Holocaust.
Historisch gab es islamische und jüdische Einflussnahmen auf das in Deutschland bestehende Wertesystem. Sie hinterließen zweifelsohne Spuren, ohne jedoch für das Wertesystem maßgeblich oder bestimmend gewesen zu sein.
Muslime gehören zu Deutschland, weil sie deutsche Staatsbürger sind oder hier leben, weil sie Menschen sind und weil es so richtig ist. Der Islam gehört zu den Muslimen, weil er ihr Glauben ist, auch wenn sie in Deutschland leben. Doch daraus wird weder automatisch noch mit Hilfe politischer Indoktrination eine zu Deutschland gehörende Ideologie.
Der Islam ist eine Ideologie. Er gehört in diese Welt, weil viele Menschen an sie glauben und auch zu den Staaten, die ihr Wertesystem auf seinen Werten aufgebaut haben. Deutschland hat das nicht.
Dieses Land hat mit Hilfe und im Zuge der Aufklärung sich auf die Trennung von Politik und Staat verständigt. Es wäre fatal dem Islam zu zugestehen, das er zu Deutschland gehöre und damit einer nicht säkularisierten Religion den Eintritt in die hiesige Werteordnung zu gestatten. Das hat nichts damit zu tun, das es der Islam ist, sondern ausschließlich mit der fehlenden Aufgabe von weltlichen Ansprüchen, die sich auf religösen Vorstellungen berufen und müsste ebenso vehement abgelehnt werden, wenn ein nicht säkularisiertes Christen- oder Judentum, eine Zugehörigkeit zu dieser Werteordnung fordern würde.